Festungstouren MV
Mecklenburg-Vorpommerns unbekannte Schätze interaktiv entdecken

Poel: Die unscheinbarste Residenzfestung Mecklenburgs

In beschaulicher Lage vor sich hindösend liegt die Festung Poel bei Kirchdorf auf der gleichnamigen Insel. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts gebaut war sie nördlichster Herrschaftspunkt des mecklenburgischen Herzogs. Schon früher bestand an der gleichen Stelle ein kleines Schlösschen, das mitsamt der in geometrischen Strukturen konstruierten Festung alle über See kommenden Herrscher empfangen sollte.

Festung Poel Anfang des 17. Jahrhunderts.


Hier trafen sich zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges der mecklenburgische Herzog und der berühmte schwedische König Gustav II. Adolph. Am kleinen Hafen der Festung legte der "Löwe aus Mitternacht" an und dann wurde verhandelt - und gesoffen.

Während vom Schloss nur noch krümelige Reste vorhanden sind, kann man den Wall und seine präzise abgesteckten Strukturen noch heute nachverfolgen. In Niederländischer Manier gebaut findet man zwar keine Mauern, dafür aber mächtige Erdwälle in mehrfacher Wall-Graben-Folge.

Interessant und ungewöhnlich zugleich liegt inmitten des Kronwerks die Kirche, die dem benachbarten Dörfchen seinen Namen gab. Der angrenzende Friedhof sorgt für eine friedliche, aber auch irritierende Atmosphäre. Wo früher geherrscht, flaniert aber auch gekämpft wurde, schlummern nun die Seelen der Inselbewohner.

Die Festung war im Zuge von Wallensteins Machtübernahme in Mecklenburg auch Fixpunkt für das Vorhaben, einen ersten kaiserlichen Kriegshafen zu errichten. Die Lage an der Festung war strategisch nicht ungünstig.

Einige wenige Dokumente geben noch Einblick in die Bemannung und Bewaffnung von damals. Mit ihrer Hilfe lässt sich das ein oder andere Detail herauslesen, wodurch die leeren Wälle wieder mit Leben gefüllt werden können.

Was Sie auf der Tour erwartet, ist kein bloßer Rundgang mit Informationen zur Baugeschichte. Wir werden tiefer abtauchen: Wir werden die Feinheiten des europäischen Festungsbaus experimentell rekonstruieren, die Gebräuche der hohen Diplomatie betrachten und versuchen die Geschichte so nah und umfangreich wie möglich wieder zurück zu holen.